Wie bekommt man als Blogger einen Presseausweis?

Presseausweis Blogger
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Lassen Sie mich durch, ich bin Blogger! Wer professionell als Blogger tätig ist, kann einen Presseausweis beantragen. Wie das funktioniert, welchen Nutzen du davon hast und warum ich meinen Presseausweis kaum nutze…

Ein Presseausweis öffnet Türen. Auch allerhand Rabatte lassen sich damit abgreifen. Kein Wunder, dass viele Blogger gerne stolze Besitzer eines Presseausweises wären. Als ausgebildete Journalistin stehe ich dem Thema kritisch gegenüber. Im Hinterkopf habe ich stets den Pressekodex und die journalistische Ethik. Bei verantwortungsvollem Umgang kann ein Presseausweis für manche Blogger sinnvoll sein.

Was ist ein Presseausweis?

Ein Presseausweis ist eine Plastikkarte – ähnlich einem Personalausweis. Neben einem Passfoto und dem Namen stehen auf dem Presseausweis in der Regel die komplette Anschrift, das Geburtsdatum, die Berufsbezeichnung sowie das Ausstellungsjahr (jedes Jahr gibt es einen neuen Presseausweis) und eine Sicherheitsmarke, die eine Fälschung erschweren soll. Auch der Name des Medienverbandes ist auf dem Presseausweis zu finden.

Presseausweis-Muster 2016 - Quelle: DJV
Presseausweis-Muster 2016 – Quelle: DJV

In Deutschland gibt es sechs offizielle Stellen, die Presseausweise ausstellen: Deutscher Journalisten-Verband (DJV), Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union (dju in ver.di), Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV), Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ), Freelens und Verband Deutscher Sportjournalisten (VDS).

Kollegen aus Österreich können ihren Antrag an den Österreichischen Journalistenclub richten – dieser ist in erster Linie für hauptberufliche Journalisten zuständig – oder an den Wiener Journalistenclub – der auch nebenberufliche Journalisten aufnimmt.

Zahlreiche unseriöse Anbieter verkaufen Presseausweise im Internet. Sie fordern keinen Nachweis der journalistischen Tätigkeit, weshalb zu den Kunden oftmals unerfahrene Blogger zählen. Von Nutzen sind diese Ausweise im Berufsalltag nicht. Im Gegenteil: sie weisen den Inhaber als nicht professionellen Journalisten aus.

Wann kommt ein Presseausweis zum Einsatz?

Mit dem Presseausweis kann man vor Behörden, Unternehmen und Veranstaltern beweisen, dass man als Medienvertreter tätig ist. Beispielsweise war ich als Blaulichtreporterin häufig an Unfall- und Tatorten. Wenn ich den Polizisten vor Ort meinen Presseausweis vorgezeigt habe, durfte ich hinter die Absperrung. Die Beamten konnten sicher sein, dass ich keine Spannerin bin und ich konnte ungehindert meiner Arbeit nachgehen.

Ähnliche Situationen hatte ich als freie Fotografin auf Veranstaltungen – wenn ich an den Sicherheitskräften und Absperrgittern vorbei direkt zur Bühne wollte. Auf Messen, in Museen und auch in einigen größeren Firmen, Gerichts- und Behördenhäusern hat mir mein Presseausweis Tür und Tor geöffnet.

Einmal wollte eine Privatperson einen Ausweis sehen. Als Videojournalistin wollte ich eine Aufnahme aus der Vogelperspektive drehen und hierfür musste ich auf den Balkon eines Wohnhauses. Ich habe bei einer älteren Dame geklingelt und sie gebeten, mich in ihre Wohnung zu lassen. Sie hat erst zugestimmt, nachdem ich mich als Journalistin ausweisen konnte.

(Wozu) brauchen Blogger einen Presseausweis?

Die meisten Blogger werden sich weder an blutigen Tatorten herumtreiben, noch auf Balkonen herumturnen. Sie benötigen den Presseausweis in den meisten Fällen, um freien Zutritt zu Messen und Veranstaltungen zu bekommen. Viele Veranstalter fordern für die Akkreditierung einen Presseausweis – in den meisten Fällen wird der Vorgang dadurch zumindest beschleunigt.

Akkreditierten Journalisten (bzw. Bloggern) steht auf einer Messe oder Veranstaltung meist ein fester Ansprechpartner zur Verfügung, zudem oftmals ein Arbeitsplatz im Pressebereich (dieser befindet sich in einem Zelt oder separatem Raum mit freiem WLAN, kostenfreien Getränken und Pressematerial).

Wann spricht man von missbräuchlicher Verwendung?

Ein Presseausweis ermöglicht dem Besitzer freien Eintritt für sich und oftmals eine Begleitperson. Einige Kollegen nutzen ihren Presseausweis, um sich privat zu bereichern. Sie sparen sich damit beispielsweise den Eintritt für den Zoo, den Freizeitpark oder das Erlebnisbad. Auch nutzen sie Rabatt-Angebote (vergünstigte Mietwagen und Neuwagen, Flüge, Hotelaufenthalte, Zeitungsabos, Telefonanschlüsse, Handyverträge u. v. m.).

Über die genutzten Dienstleistungen und Produkte berichten sie nicht. Und falls doch, besteht die Gefahr, dass der Bericht besonders positiv ausfällt – sozusagen als Gegenleistung zur Geldersparnis. Beides ist nicht korrekt und nicht Sinn eines Presseausweises. Wer einen Presseausweis besitzt sollte verantwortungsvoll damit umgehen.

Wie beantragt man als Blogger einen Presseausweis?

Hast du dich dafür entschieden, einen Ausweis zu beantragen und den für dich passenden Medienverband (Landesverband) ausgewählt, musst du zunächst auf der jeweiligen Webseite das Antragsformular heraussuchen.

Dieses füllst und druckst du aus, unterschreibst es und klebst ein aktuelles Passfoto von dir auf. Eine beidseitige Kopie deines Personalausweises legst du bei, ebenso Nachweise über deine Tätigkeit als Bloggerin. Dies können beispielsweise Abrechnungen oder Kontoauszüge sein, wenn du mit deinem Blog Geld verdienst oder Blogbeiträge, die namentlich gekennzeichnet sind – beides aus den letzten sechs Monaten. Daneben können eine Kopie des Blog-Impressums und von Medienberichten (über dich als Bloggerin) als Belege in Frage kommen.

Kostenfrei ist ein Presseausweis nur für Mitglieder. Alle anderen müssen eine Gebühr bezahlen. Beim Deutschen Journalistenverband beispielsweise fallen Kosten in Höhe von 70 Euro an, wovon 50 Euro Bearbeitungsgebühr und 20 Euro Ausstellungsgebühr sind. Ein Presseschild fürs Auto kostet zusätzlich 7 Euro – ist jedoch nicht unbedingt nützlich (damit darf man lediglich auf für “Presse” gekennzeichneten Flächen parken). Wird dein Antrag abgelehnt, fallen in der Regel dennoch Bearbeitungsgebühren an – dessen solltest du dir bewusst sein.

 

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