OMG! Was in diesem Text steht, berührt Tausende. Du wirst weinen vor Glück!

© contrastwerkstatt
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Na, hast du angebissen? Genau das wollen Autoren solcher und ähnlich reißerischer Überschriften erreichen. Clickbaiting nennt sich diese Leser-Fangmethode im Internet.

Ködern bedeutet das Wort „bait“ im Englischen. In der Headline wird etwas Unglaubliches, Unfassbares, wahrhaftig Leben veränderndes versprochen und mit Emotionen gespielt. Zum Einsatz kommen meist Superlative und Eyecatcher wie OMG, LOL, WOW sowie Zahlen, welche sich optisch vom Text abheben. Damit sollen User geködert und zum Klicken und Teilen animiert werden:

„Das sind mit Abstand 20 peinlichsten Familienfotos. Nummer 6 wird dich kreischen lassen.“ (Heftig.co)

“Diese Frau findet eine leblose Mutter am Straßenrand, doch als sie genauer hinsieht, wird mir flau.” (Heftig.co)

“Die Ärzte bemerken etwas Absonderliches an ihrem Baby. Aber 2 Jahre später? Das ist ein Wunder!” (Heftig.co)

Write it like Heftig

Neu ist diese Methode nicht. Überspitzte Titel finden sich auch in Print-Magazinen und Boulevard-Blättern. Cliffhanger in Film und Fernsehen funktionieren nach dem gleichen Prinzip. Im Internet verbreitet sich diese Form des Beitrags jedoch besonders schnell.

Internetseiten wie Upworthy, BuzzFeed und der deutsche Klon Heftig generieren ausschließlich auf diese Weise Klicks. Es geht weder darum, eine Dienstleistung zu verkaufen, noch um hilfreiche Informationen. Diese Seiten sind einzig und allein darauf aus, massig Traffic und dadurch höhere Werbeeinnahmen zu generieren. Die Inhalte sind oftmals von anderen Seiten abgekupfert oder kopiert und bewegen sich damit am Rande der Urheberrechtsverletzung – von Ethik gar nicht erst zu sprechen.

Peter Schilling, Mitbegründer von Heftig.co, hat auf diesen Vorwurf in einem Interview mit der WirtschaftsWoche geantwortet: „Wir klauen nicht, wir kuratieren. Das bedeutet: Wir suchen Bilder und Videos, die Nutzer bereits anderswo im Internet der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt haben.“

Facebook VS Clickbaiting-Flut

Clickbaiting-Gegner kritisieren die unfairen Methoden. Sie bemängeln die Qualität und den Nutzen solcher Beitrage. Die Plattform Facebook hat ihren Algorithmus 2014 angepasst, um den Traffic für Clickbaits zu regulieren. Zu viele Nutzer des sozialen Netzwerks waren von der anrollenden Clickbaiting-Flut genervt. Den Machern von Heftig.co und Kollegen dürfte das ein Dorn im Auge sein. Sie sind von Facebook abhängig. Die meisten User kommen direkt aus dem sozialen Netzwerk auf ihre Seite.

Befürworter sehen die psychologischen Bedürfnisse vieler Nutzer befriedigt und loben den Unterhaltungswert solcher Seiten. Die Besucherzahlen scheinen dies zu untermauern: 90 Millionen für Upworthy, 130 Millionen für BuzzFeed und immerhin 50 Millionen Uniques weltweit für Heftig.co. Im Monat!

Sei schlau. Sei nicht wie Peter.

Am Erfolg von Peter Schilling und Konsorten solltest du dich nicht orientieren, wenn du auf der Suche nach einer fesselnden Überschrift bist. Die ist, ohne Frage, wichtig und sollte deine (potenziellen) Leser neugierig machen. Aber nicht auf Teufel komm raus.

Versprich nichts, was du nicht halten kannst. Es gibt einen gravierenden Unterschied, zwischen:

“10 gute Gründe, warum du mehr Tomaten essen solltest”

und

“Unglaublich! Diese Frucht kann Krebs heilen. Warum Ärzte das verheimlichen.”

Hand aufs Herz: Würden wir den zweiten Artikel anklicken? Ein Großteil von uns vermutlich schon. Weil wir von Natur aus sensationsgeil neugierig sind. Würde uns der Inhalt des Artikels enttäuschen? Ganz sicher. Denn dahinter steckt in Wirklichkeit weder eine lebensrettende Wunderfrucht, noch ein Skandal der Pharmaindustrie. Überschrift Nummer eins macht ebenfalls neugierig, gibt aber keine haltlosen Versprechen ab.

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Blick in die Zukunft

Die oben genannten Zahlen sind beeindruckend, aber rückläufig. Das Internet und die Erfolgsmessung befinden sich gerade im Wandel, werden immer komplexer. Der reine Blick auf Klickzahlen wird in Zukunft nicht mehr ausreichen, um den Wert eines Mediums zu beurteilen.

Qualität wird wichtig bleiben und künftig eine noch größere Bedeutung bekommen. Ob sich Clickbaiting am Ende tatsächlich gegen anspruchsvolle Alternativen durchsetzt, ist fraglich.

 

Zusammengefasst:

Statt auf Clickbaiting solltest du lieber auf gute Überschriften und Beiträge mit echtem Mehrwert setzen. Portale, wie Heftig.co erzielen allein durch Clickbaiting ihren Traffic und durch Onlinewerbung ihre Einnahmen. Facebook hat inzwischen seinen Algorithmus angepasst und straft solche Beiträge ab. Ebenso handhabt es Google. Langfristig erfolgreich wirst du mit deinem Blog, wenn du auf Qualität setzt und keine leeren Versprechen abgibst. In Zukunft wird der Wert einer Website immer weniger an Klickzahlen gemessen werden.

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